Zeitfresser

Es war mal ein Zeitfraß aus Aachen,
mit hungrig-blut-rotem Rachen
und Zeitfresser-typischen Waffen,
der hatte am Sonntag verschlafen,
was mich sehr freute,
obwohl er’s bereute,
weil: Ich hatte Zeit was zu machen.

Völlegefühl

Mein Kopf ist voll
was soll
ich machen
Tausend Sachen
in meinem Kopf
– Kopf – Kopf …
in meiner Rübe
süße Gedanken und trübe
ich wünscht‘, meine Kopf wär‘ leer
– leer – leer …

Frau Kaminski hätte da mal ’nen Durst

Frau Burana Kaminski aus Bottrop
erwacht heute früh mit schwerem Kopp,
sie hätte da mal ’nen Durst,
aber leer ist die Bierkiste,
doch das ist ihr Wurst!
So geht sie auf Piste
mit Lust auf ein Bierchen,
rüber, nach Gelsenkirchen
und macht „bei Kalle“ ’nen Boxenstopp.

Nasse Stelzenfüße

Es war mal ein Pärchen aus Uelzen,
zwei mausgrau-schwarze Bachstelzen,
die stapften durch’s Gras,
die Füß‘ wurden naß
und sauber – das muss man ausnützen.

Der Dieb des Poseidon

Sind Poseidon und Neptun Plagiate? Ja, aber nur von sich selbst. Insofern sind beide wohl eher Brüder im Geiste. Ein Grieche und ein Römer mit gleichen Interessen. Wie schön!

Der Herr Neptun treibt es auf die Spitze
und steht mit wenig Stoff vor’m besten Teil
und bärtig-lockigem Antlitze,
dafür mit unverhülltem Hinterteil,

da oben und trägt in seiner rechten Hand
’nen langen Dreizack, der ihn stützt und ziert,
umschlungen eben von dem Stoffgewand,
an den Spitzen schon leicht korrodiert.

So schaut er lässig von der Säule runter,
mit geklautem Dreizack des Poseidon
und wird deshalb nicht mehr munter,
denn der Beklaute kennt hier kein Pardon.

Zur Strafe, der Herr Poseidon d’rauf bestand,
steht Herr Neptun nun mit fremden Dreizack rum
und bekommt am Hintern einen Sonnenbrand,
dagegen hilft auch kein Gottsein, Herr Neptun.

Neunzehn Möwen und ein Zappelphilipp

Fotografiert und durchgezählt während einer Schifffahrt auf dem Staffelsee.

Den Möwen auf der Stange
wird nicht angst und bange,
falls einer nichts vom Stillsein hielte,
dann der ganze Trupp‘ ins Wasser fiele.

Doch sie bekämen nur ’nen Schreck
und flögen schleunigst weg.
Der, der weder schlief noch ruht‘,
würde dann im Fluge lauthals ausgebuht.

Hühner-Neckerei

Auch Hühner haben Nachbarn. Meistens Nachbarinnen, die einem ganz schön auf die Nerven gehen können.

Frau Hahn, die hat es eilig.
Denn, auf der Wiese nebenan
wurd’s ihr g’rad‘ zu dämlich.
Da ist sie dann doch besser dran,

sie überquert ganz flink die Straß‘,
schwingt die schlanken Hacken
und freut sich auf den Spaß,
weil die Nachbarin ihr sitzt im Nacken:

Sobald die folgt ihr auf den Fuß
und ein Auto kommt vorbei,
dann ist nämlich ganz schnell Schluß
mit Nachbars Hühner-Neckerei!

Grill-Tetralogie oder -Blitztrumpf

Seit gestern schwirren mir sich reimende Satzfetzen im Kopf rum, die unter der Dusche ihren kinetischen Höhepunkt fanden. Es formten sich vier Gedichte und ich stellte die Frage, wie sich ein Werk aus vier Teilen nennt. Ich: „Also, Trilogie sind drei … Quadrologie vielleicht?“ Mein Mann: „Blitztrumpf. Wie beim Autoquartett.“

Es war mal ein Käse aus Delphi,
der nannte sich chic Grill-Haloumi.
Er klebte am Grill
bevor er zerfiel,
doch war er sehr lecker (und quitschtig wie Gummi).

Dann war da ein Schwein aus Saarbrücken,
das hatte es stark mit dem Rücken.
Der Schmerz ging nicht weg,
drum wurd‘ es zum Steak
und liegt auf dem Grill – wie entzückend.

Es war mal Salat aus dem Elsaß,
der war unter’m Strunk noch sehr naß.
Mit Sardellen vermischt
und Kapern verfrischt,
ein Ei noch dazu – war’s ’n Salade Niçoise.

Dann war mal ein Birnbaum aus Herne
– denn Birnen mag jeder sehr gerne –
der stand nah am Grill,
dann ’ne Frucht runter fiel,
so gab’s als Dessert Birne Helene.

Tassenkugel

Bei dem heißen Wetter der letzten Wochen fiel es mir leicht, mich in den kühlen Bastelkeller zu verziehen. Das kam dabei raus (Porzellan, Styropor, Ø ca. 11 cm, hier: 3 Ansichten):

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